Bd. 11, Nr. 16 (2012)

Interkulturelle Forschung an deutschsprachigen Hochschulen – disziplinäre Perspektiven und interdisziplinäre Best Practices

Unser Special Issue enthält die Beiträge des 2. Jenaer Sommer-Symposiums "Interkulturelle Forschung an deutschsprachigen Hochschulen – disziplinäre Perspektiven und interdisziplinäre Best Practices".

Die Veranstaltung wurde Anfang September 2011 auf den Dornburger Schlössern und in der Universität Jena durchgeführt. Im Mittelpunkt stand dabei die Frage nach Möglichkeiten, Methoden und praktischen Strategien der Erforschung von Interkulturalität im deutschsprachigen Raum. Das Thema war bewusst weit gefasst und sollte Vertreter unterschiedlicher Fachdisziplinen einladen, aus ihren fachlichen Perspektiven heraus Schnittstellen für kooperative, interdisziplinäre Forschungsansätze zu markieren.

Motiviert war dieses Vorhaben durch die Beobachtung, dass interkulturelle Forschungstätigkeiten in den vergangenen Jahren einen deutlichen Aufschwung erfahren haben und inzwischen über das gesamte Spektrum der Fakultäten hinweg anzutreffen sind. Sie bilden Thema sowohl in den Kultur- und Kommunikationswissenschaften als auch in den Wirtschafts-, Rechts- und Sozialwissenschaften oder inzwischen verstärkt auch in den Technik- und Naturwissenschaften.

Eine gemeinsame Verständigungsplattform existiert indes bislang nicht, was zum Teil zu asynchronen Entwicklungen geführt hat, in deren Rahmen so manches Rad bereits mehrfach erfunden worden zu sein scheint. Die Transparenz interkultureller Forschung und Lehre an Hochschulen des deutschen Sprachraums zu erhöhen, ist zentrale Zielsetzung des Hochschulverbands für Interkulturelle Studien (IKS).

Vor diesem Hintergrund lag es nahe, den Hochschulverband IKS als Partner des Symposiums zu gewinnen. Dies sollte dazu beizutragen, den Aufbau einer Community interkulturell orientierter ForscherInnen zu unterstützen, die sich über ihre unterschiedlichen Ansätze und Zugänge zu interkulturellen Fragestellungen austauscht, voneinander lernt, neue Perspektiven entwickelt und Synergien lebt. Eine wichtige Voraussetzung hierfür war durch die vielfältigen disziplinären Hintergründe der Symposiumsteilnehmer gegeben. Da sich in den Fachdisziplinen unterschiedliche Theorien und Methoden zur Erforschung interkultureller Fragestellungen entwickelt haben, ist es geboten, einzelne theoretische Ansätze und Methoden zu vergleichen, zu reflektieren und Anknüpfungspunkte aufzuzeigen. In diesem Sinn setzt sich auch unser Special Issue zum Ziel fachspezifische Ansätze aus einer theoretischen und methodologischen Perspektive zu beleuchten, Überschneidungspunkte zu skizzieren und mögliche Synergien zu identifizieren.

Daher gliedert sich der Band in vier thematische Spektren: 1) Disziplinäre Zugänge zu Kultur und Interkulturalität, 2) Methodische Zugänge zum Forschungsgegenstand, 3) Aktuelle Forschungsprojekte und 4) ein Best-Practice aus der interdisziplinären Lehre.

Im ersten Themenspektrum geht es um disziplinäre Zugänge zu Kultur und Interkulturalität. Elias Jammal appelliert in seinem Beitrag an die interkulturelle Philosophie, zur Professionalisierung und zur wissenschaftstheoretischen Fundierung interkultureller Forschung verstärkt beizutragen. Dominic Busch referiert Entwicklungstrends in den Sprachwissenschaften und ihre Positionierung gegenüber Fragestellungen der interkulturellen Kommunikationsforschung. Anne Schreiter setzt sich aus einer managementorientierten Perspektive mit dem Kulturbegriff auseinander und beleuchtet Schnittstellen zwischen Wirtschaft und interkultureller Kommunikationsforschung.

Jan-Christoph Marschelke geht der Frage nach, wie sich die Rechtswissenschaften mit interkulturellen Fragestellungen befassen (müssen) und welche Zugänge hierbei gewählt werden.

Mirjam Hermann, Maja Schachner und Peter Noack berichten aus einer psychologischen Perspektive, wie sich ethnische Identität entwickelt und welche Forschungshinweise sich daraus für die Akkulturationsforschung ableiten lassen. Im zweiten Themenspektrum werden methodische Zugänge zum Forschungsgegenstand sowohl unter quantitativen als auch unter qualitativen Gesichtspunkten beleuchtet.

Karsten Müller, Regina Kempen und Tammo Straatmann skizzieren auf der Grundlage einer psychologisch orientierten Forschungslogik die methodischen Entwicklungen und Herausforderungen interkultureller Forschung am Beispiel organisationaler Einstellungen.

Elke Bosse beschreibt einen qualitativen Ansatz, die Perspektiventriangulation, um darüber zu Erkenntnisgewinnen über interkulturelle Trainings gelangen zu können. Im dritten Themenspektrum werden aktuelle Forschungsprojekte vorgestellt. Da sich die Projekte in unterschiedlichen Projektstadien befinden, kommen unterschiedliche Beschreibungsperspektiven zur Geltung.

Vasco da Silva und Helena Drawert stellen ihre Dissertationsprojekte in den Sprachwissenschaften vor und stellen hierbei ihren gemeinsamen Kern – die linguistische Analyse biografisch-narrativer Interviews – in den Mittelpunkt ihrer Beschreibungen.

Aus einer interdisziplinären Perspektive fassen Gesine Hofinger, Verena Jungnickel, Robert Zinke und Laura Künzer Ergebnisse ihrer Befragung zu Herausforderungen der interorganisationalen Kooperation in Integrierten Leitstellen zusammen.

Die letzten beiden Beiträge beziehen sich auf zum Tagungszeitpunkt soeben erst konzipierte Projekte: Isabella Waibel stellt die Entwicklung interkultureller Communities im Hochschulbereich als Element des interkulturellen Dialogs und Wissensaustauschs vor; Gundula Gwenn Hiller und Stephan Wolting gehen in ihrem Projekt der Frage nach, wie sich Interkulturalität auf die Wissensproduktion in akademischen Kontexten auswirkt.

Das vierte Themenspektrum ist Best Practices in der interkulturellen Lehre gewidmet. Jan-Christoph Marschelke ermög- licht in seinem Beitrag Einblicke in den Aufbau und die Organisation eines interfakultären Projektes der Universität Würzburg, bei dem es darum geht, Studierende auf das Handeln in globalen Kontexten vorzubereiten und die interkulturelle Kompetenz zu optimieren. Unter Bezugnahme unterschiedlicher Ansätze wird dargelegt, wie interkulturelle Sensibilität oder Kompetenz in der Hochschullehre vermittelt werden kann.

Wir bedanken uns bei den AutorInnen für die eingereichten Beiträge und hoffen mit diesem Band Reflexionen über das Forschungshandeln in interkulturellen Gegenstandsbereichen anzuregen.

Ein ganz besonderer Dank geht an die Ernst- Abbe-Stiftung und die Universität Jena, ohne deren finanzielle Unterstützung die Tagung in diesem Rahmen nicht hätte stattfinden können.

Daniela Gröschke (Jena) und Jürgen Bolten (Jena) im Mai 2012

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Inhaltsverzeichnis

Editorial

Vorwort der Herausgeber
Daniela Gröschke, Jürgen Bolten
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1-4

Artikel

Elias Jammal
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5-22
Dominic Busch
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23-48
Anne Schreiter
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49-62
Jan-Christoph Marschelke
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63-94
Mirjam Hermann, Maja Schachner, Peter Noack
PDF
95-116
Karsten Müller, Regina Kempen, Tammo Straatmann
PDF
117-142
Elke Bosse
PDF
143-166
Vasco da Silva, Helena Drawert
PDF
167-180
Gesine Hofinger, Verena Jungnickel, Robert Zinke, Laura Künzer
PDF
181-186
Isabella Waibel
PDF
187-196
Gundula Gwenn Hiller, Stephan Wolting
PDF
197-210
Jan-Christoph Marschelke
PDF
211-226