Bd. 6, Nr. 5 (2007)

Probleme und Möglichkeiten der Messung von Kultur

Kann man Kulturen messen? Diese Frage beschäftigt die interkulturelle Forschung seit ihren Anfängen. Die praktischen Masstabellen kulturvergleichender empirischen Forschung (z.B. Hofstedes Dimensionsmodell), gelten für die einen als hilfreiches Instrument zum Umgang mit kulturellen Unterschieden, für die anderen als unzulässige Reduktion einer nicht in Zahlen fassbaren kulturellen Komplexität.

Pünktlich zum Jahresende 2007 präsentieren wir Ihnen daher eine neue Ausgabe von interculture journal, die unter dem Titel "Probleme und Möglichkeiten der Messung von Kultur" vier Artikel aus unterschiedlichen Disziplinen versammelt, die sich direkt oder indirekt auf kritische Weise mit der Messbarkeit von Kulturen auseinandersetzen oder auf bekannten Modellen der kulturvergleichenden Forschung aufbauen, um diese sinnvoll anzuwenden oder zu erweitern. Als interdisziplinär ausgerichtete Fachzeitschrift möchte intercuture journal beiden Standpunkten ein Forum bieten und zum methodischen Austausch zwischen den Ansätzen beitragen.

Die Kulturwissenschaftlerin Helene Haas, Doktorandin an der Universität Passau, untersucht systematisch die methodischen Probleme kulturvergleichender Umfrageforschung und argu-mentiert nachdrücklich gegen eine unkritische Rezeption empi-risch ermittelteter Kulturdimensionen à la Hofstede.

Der Beitrag von Diplom-Kulturwirt Alexander Janzer führt diese Gedanken weiter und untersucht kulturwissenschaftliche Probleme der internationalen Managementforschung, die ihrerseits methodisch besonders häufig auf kulturvergleichende Umfrageforschung zurückgreift.

Die Diplom-Psychologin Daniela Gröschke setzt mit ihrem Aritkel demgegenüber auf Hofstedes Kulturdimensionen auf, um die Auswirkungen kultureller Prägung auf den Bereich individueller Selbstkonzeption zu untersuchen und das Modell sinnvoll zu erweitern.

Die Erziehungswissenschaftlerin Petra Buchwald und der Psychologe Tobias Ringeisen verwenden in ihrem Beitrag Hofstedes vierdimensionales Kulturmodell als Ausgangspunkt zur Darstellung kultureller Einflüsse im Denken und Fühlen von Lehrenden und Schülern, um auf dieser Basis Bewältigungsstrategien von Lehrenden im interkulturellen Kontext zu untersuchen.

Die Herausgeber bedanken sich an dieser Stelle bei allen Autorinnen und Autoren und freuen sich auf zahlreiche weitere Beiträge für zukünftige Ausgaben von interculture journal.

Stefanie Rathje und Jürgen Bolten, Jena im Dezember 2007

Inhaltsverzeichnis

Artikel

Helene Haas
3-20
Alexander Janzer
21-38
Daniela Gröschke
39-70
Petra Buchwald, Tobias Ringeisen
71-98