Die kommunikative Vermittlung von interkultureller Kompetenz in Trainings zur interkulturellen Kommunikation

Kirsten Nazarkiewicz

Abstract


Die Konversationsanalyse ist bekannt dafür, dass sie nicht darüber spekuliert, was in den Köpfen der Individuen vor sich gehen mag, welche Absichten diese hegen oder welche Ein- sichten sie gewonnen haben mögen. Einzig die in der Kommunikation gezeigten - und damit auch rekonstruierbaren und in ihrer Regelmäßigkeit belegbaren – Ereignisse werden beschrie- ben. Lernen ist vor diesem Hintergrund nicht allein etwas, was in Gehirnen passiert, sondern in der Kommunikation dargestellt wird und daran ablesbar ist. Diese Perspektive ist für Trai- ner- und LehrerInnen insofern interessant, als sie selbst die Vermittlung vornehmlich kom- munikativ strukturieren und innerhalb ihrer pädagogischen Veranstaltungen mit den Äuße- rungen der Teilnehmenden arbeiten. In diesem Beitrag möchte ich Strategien pädagogischer Kommunikation am Beispiel des interkulturellen Lernens darstellen. Dazu habe ich in inter- kulturellen Trainings aufgezeichnete Tonbanddaten konversationsanalytisch ausgewertet.

Hauptziel interkulturellen Lernens ist, Kultur als Interpretationsressource nutzbar zu ma- chen. D.h. ihre Bedeutung und ihr Einfluss auf das alltägliche Handeln werden reflektiert und die Orientierung an anderen kulturellen Werten und Spielregeln vermittelt. Eine Auswertung der verschiedenen Ansätze interkultureller Bildung zeigt, dass im Hinblick auf die Lerneffek- te vor allem auf Materialien, Methoden und Übungen vertraut wird. Kaum ein Wort findet sich über die umfangreichste und selbstverständlichste Übung: dem Gespräch im Unterricht bzw. Training. Erst im Prozess des Vermittelns und Aneignens bei den Übungsauswertungen und in der Plenumsdiskussion werden die Einsichten und Perspektivenerweiterungen unter den Beteiligten erarbeitet. Diese Deutungsarbeit jedoch besteht aus kommunikativen Hand- lungen. Um Kultur nachhaltig als Deutungsressource nutzen zu können, ist die Vermittlung von Faktenwissen nicht ausreichend. Der konversationsanalytische Blick kann zeigen, welche Interaktionsstrategien für das interkulturelle Lernen als typische Lösungen für die Probleme interkultureller Kompetenzerweiterung eingesetzt werden. Denn um Kulturen nebeneinander zu thematisieren, sprechen die Trainerinnen aus einer transkulturellen Perspektive und der folgende Beitrag zeigt einige Methoden, mit denen die Leiterinnen kleine pädagogische „Brücken“ zwischen der kulturgebundenen und transkulturellen Perspektive bauen. Mit Perspekti- venrelativierungen z.B. zeigen die Leiterinnen, dass es mehrere Sichtweisen gibt oder machen mit Perspektivreflexionen den Teilnehmenden bewusst, dass sie aus einer spezifischen kultu- rellen Brille sprechen. Die gefundenen Ergebnisse sind auch für alle diejenigen interessant, die in ihrer beraterischen oder pädagogischen Arbeit mit Perspektivenwechseln arbeiten.


Schlagworte


Interkulturelle Kompetenz

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